Freitag, 14. April 2017

Ostergedanken



Ostern also. Ist das denn nicht alles erfunden, was da in der Bibel berichtet wird? Das wird immer wieder behauptet, doch vieles spricht für die Glaubwürdigkeit der Evangelien. Dass zum Beispiel in einigen Evangelien Frauen als Augenzeugen genannt werden, ist ein besonderer Hinweis darauf, dass die Evangelisten sich an die Wahrheit gehalten haben. Frauen galten nämlich damals nicht als zuverlässige Zeugen. Wenn man sich etwas ausgedacht hätte, hätte man lieber Männer als Zeugen genannt. Auch die Überlieferung der Evangelien ist im Vergleich zu anderen historischen Dokumenten extrem gut.
Dr. Simon Greenleaf, ein berühmter Professor für Jura an der Harvard Universität, untersuchte die Beweise für die Auferstehung Jesu Christi. Greenleafs Schlussfolgerung war: „Nach den Gesetzen der Beweisführung, wie sie vor Gericht angewandt werden, gibt es mehr Beweise für die historische Tatsache der Auferstehung Jesu Christi als für jedes andere Ereignis in der Geschichte." (Josh Mc Dowell, The Resurrection Facor, 1991 /deut. Die Tatsache der Auferstehung, 1993, S.19)
Der Engländer John Singleton Copley war zweiter Kronanwalt der britischen Regierung, Kronanwalt von Großbritannien, dreimal Großkanzler von England und wurde zum Großhofmeister der Universität Cambridge gewählt. Er hatte die höchsten Ämter inne, die jemals ein Richter in Großbritannien auf sich vereinen konnte. Nach seinem Tod fand man in seinen persönlichen Unterlagen eine Begründung dafür, warum er Christ geworden war: „Ich weiß sehr gut, was ein Beweis ist; und ich versichere Ihnen, eine solche Beweisführung wie die für die Auferstehung ist noch niemals zusammengebrochen." Wilbur Smith, Therefore Stand, Grand Rapids, Mich., Baker Book House, 1965, S. 425,584.
Für die Juden hat damals der Opferkult eine große Rolle gespielt - es war wichtig "rein" zu sein, das strenge Gesetz möglichst genau zu erfüllen und, wenn man das nicht schaffte, die eigenen Fehler, also die eigene Schuld, mit Opfern wieder gut zu machen. Das war mit viel Druck und Angst verbunden. Daher war für die Juden die Bedeutung von Jesu Tod als Opfer für alle Sünden eine extrem gute Botschaft - keine ständigen Opfer mehr!
Aber wir brauchen nicht nur Erlösung von Schuld. Was belastet uns Menschen heutzutage noch? Was nimmt uns gefangen? Die Sehnsucht nach Mehr. Traurigkeit. Wut. Langeweile und innere Leere. Die verzweifelte Suche nach einem erfüllten Leben. Die Frage nach dem Sinn. Der Kirchenvater Augustinus sagte: „Unruhig ist unser Herz, bis es ruht in dir, oh Gott." Jesus sagt, dass er kam, um uns Leben im Überfluss zu geben. Echtes, erfülles Leben voller Sinn.

Jesus will uns ein neues Leben schenken - ein Leben, das erfüllt ist von seiner Freude, seiner Liebe und seiner Kraft. Diese Kraft ist etwas, das ganz eng mit Karfreitag zu tun hat. Denn wir wissen ja, dass Jesu Tod nicht das Ende war. In der Bibel heißt es:

„Ihr sollt erfahren, mit welch unermesslich großer Kraft Gott in uns, den Glaubenden, wirkt. Ist es doch dieselbe Kraft, mit der er Christus von den Toten auferweckte" (Eph. 1,19-20).
Das heißt: Diese umwerfende Kraft, mit der Gott sogar den Tod besiegte, die möchte er auch uns schenken! Jeder, der dieses Geschenk annimmt, darf nicht nur sicher sein, nach dem Tod bei Gott zu sein, sondern wird schon Hier und Jetzt mit einer ganz neuen Lebensqualität beschenkt. Mit echter Freiheit und einem tiefen inneren Frieden. Jesus hat gezeigt, dass Gottes Kraft stärker ist als der Tod - der Tod hat nicht das letzte Wort. Der Apostel Paulus beschreibt das so: "Tod, wo ist dein Stachel? Hölle, wo ist dein Sieg?"
(1. Kor 15,55)
In der Bibel wird uns berichtet, dass nach dem Tod Jesu plötzlich ein Vorhang im Tempel von oben nach unten zerriss. Dieser Vorhang hatte einen besonderen Raum, das Allerheiligste abgetrennt, den nur ein Hohepriester an besonderen Tagen betreten durfte. Dort galt Gott als besonders gegenwärtig. Dieser Vorhang war nun durch den Tod zerrissen. Das heißt: Der Weg zu Gott ist frei.  Zu jeder Zeit und an jedem Ort sind Gottes liebende Arme für jeden offen.

Ostern sagt uns: Die Liebe ist immer stärker als der Tod. Hoffnung besiegt stets die Verzweiflung.

Kleinkinder und Ostern

Kleinen Kindern den Hintergrund von Weihnachten zu erklären, ist recht einfach. Ein Kind, das in einem Stall geboren wird, ein neuer König - das lässt sich auch den Kleinen gut erzählen. Doch wie ist das mit Ostern - mit dem Kreuz, Leiden, Tod und Auferstehung?
Vielleicht gefällt euch ja die folgende Geschichte:

Hannas Nachbarin, die nette Frau Schneider, ist gestorben. Hanna ist sehr traurig, denn sie mochte Frau Schneider und hat sie oft besucht. Es ist so seltsam, dass sie jetzt einfach nicht mehr da ist! Hanna muss weinen, weil sie Frau Schneider so vermisst. Papa nimmt Hanna in den Arm: „Frau Schneider war lange Zeit sehr krank – ihr geht es jetzt besser. Sie hat an Gott geglaubt und ist es jetzt bei ihm. Dort können wir sie eines Tages wiedersehen, wenn wir auch bei Gott sind.“ „Woher wissen wir das?“, fragt Hanna. „Jesus hat es uns versprochen“, erklärt Papa:

Einige Menschen wollten nicht hören, was Jesus über Gott sagte: Dass er alle Menschen liebt und, dass Jesus Gottes Sohn ist. Sie lassen Jesus gefangen nehmen. Und dann wurde Jesus getötet. Er wurde an ein Kreuz gehängt - so wurden früher oft Menschen getötet. Seine Freunde waren sehr, sehr traurig. Doch als Jesus starb, wurde es auf einmal überall ganz dunkel und ein wichtiger Vorhang im Tempel zerriss. Vorher durften nur besondere Leute, nämlich Priester, hinter diesen Vorhang gehen und mit Gott reden. Aber nun war der Weg frei für alle - jeder Mensch darf mit Gott reden, wann immer er möchte.
Ein Hauptmann, der bei Jesus steht, erschrak, als es plötzlich so dunkel wurde. Er spürte, dass etwas Besonderes passiert war und rief: „Dieser Mensch war wirklich Gottes Sohn!“

Drei Tage später wollten Frauen, die Jesus kannten, sein Grab besuchen. Das war eine Steinhöhle, in der der tote Körper hingelegt worden war. Doch das Grab war leer! Die Frauen waren völlig durcheinander: Was war nur passiert? Plötzlich stand ein Engel neben ihnen und sagte: „Habt keine Angst! Jesus ist nicht mehr tot, er ist auferstanden!“
Die Frauen rannten aufgeregt zu ihren Freunden und erzählten, was sie erlebt hatten. Die anderen konnten es kaum glauben: Konnte das wirklich stimmen?
Doch dann war Jesus auf einmal bei ihnen. Wirklich, er lebte! Gott hatte ihn auferweckt. Gott hatte den Tod besiegt! Später ging Jesus dann zurück zu Gott und sagte, dass er dort auf alle, die an ihn glauben, wartet. Dort ist es wunderschön und es gibt nichts Böses mehr, keine Krankheit und keine Schmerzen. Deshalb wissen wir, dass Gott stärker ist als der Tod.“

Hanna nickt. Das ist gut zu wissen. Dann hat sie aber noch eine Frage: „Und warum sammeln wir Ostereier? Was hat das mit der Ostergeschichte zu tun?“ „Die Ostereier sind ein Zeichen“, antwortet Papa, „Wenn die Hühner die Eier ausbrüten, dann kommen Küken aus den Eiern. Daher ist ein Ei ein Zeichen für neues Leben. Die harte Eierschale wird zerbrochen – so, wie Jesus das Grab aus Stein zerbrochen hat. Es gibt dazu einen alten Spruch: "Wie der Vogel aus dem Ei gekrochen, hat Jesus das Grab zerbrochen." Das findet Hanna interessant. „Und der Osterhase? Was hat der damit zu tun?“, will sie noch wissen. „Da gibt es verschiedene Ideen“, entgegnet Papa, „Eine geht so: Der Hase bekommt im Frühling als erstes seine Kinder. Somit ist er ebenfalls ein Zeichen für neues Leben.“ „Oh, Hasenbabys sind so süß!“, ruft Hanna begeistert, „Können wir morgen in den Streichelzoo fahren und schauen, ob die Hasenbabys schon gewachsen sind?“ „Klar!“, lacht Papa, „Und wenn du willst, fahren wir auf dem Weg beim Friedhof vorbei und besuchen das Grab von Frau Schneider.“ „Darf ich an ihr Grab ein Osterei legen?“, fragt Hanna, „Als Zeichen, dass sie nun ein neues Leben hat?“ „Gute Idee!“, findet Papa.

Weitere lebensnahe Bibelgeschichten für Kinder zwischen drei und sechs Jahren findet ihr in meinem Buch „Mara und Timo entdecken die Bibel“ (Oncken): https://www.amazon.de/Mara-Timo-entdecken-die-Bibel/dp/387939623X/ref=sr_1_1?s=books&ie=UTF8&qid=1492163350&sr=1-1&keywords=mara+und+timo+entdecken+die+bibel

Montag, 27. Februar 2017

Diese Woche: Kostenlose Beratung zum Thema "Schreien, Schlafen, Trotzen"

In dieser Woche (bis Freitag, 12:00) bin ich wieder als Expertin bei babycenter.de online. Ihr könnt kostenlos Fragen rund um das Thema "Schreien, Schlafen, Trotzen" stellen und erhaltet innerhalb von 24-48 Stunden eine Antwort. Hier der Link: https://www.babycenter.de/thread/305486/schlafen-schreien-trotzen-experten-chat-mit-melanie-sch%C3%BCer

Donnerstag, 16. Februar 2017

Darf man Kinder anschreien? Und wie schaffe ich es, weniger zu schreien?

Über körperliche Gewalt habe ich ja hier schon geschrieben und vermutlich werden die meisten mir darin zustimmen, dass die in der Kindererziehung überhaupt nichts zu suchen hat. Doch wie ist das eigentlich mit verbaler Gewalt bzw. ganz konkret mit dem Anschreien von Kindern?
Ich persönlich muss zugeben, dass ich in den letzten Monaten recht oft geschrien habe. Das Leben war stressig, vieles lief chaotisch, es mussten schwierige Entscheidungen getroffen werden - und dann auch noch dieser unglaubliche Trotz unserer kleinen Tochter! Sie hatte wirklich Wochen, in denen ich bis um 7:30 Uhr morgen schon fünf bis sechs Wutanfälle gezählt hatte. Und meistens geht es dabei um Dinge, die sie nicht will, die aber einfach nötig sind - zum Beispiel Wickeln, Zähne putzen, Waschen, Anziehen, Anschnallen im Auto ...
Diese Total-Verweigerung dieser notwendigen Aktivitäten durch wildes Strampeln und Wegdrücken (meine Güte, wie stark diese kleinen Menschen sein können!) hat in mir eine ganz große Hilflosigkeit geweckt. Ich wollte meine Kleine nicht mehrmals täglich festhalten und in ihre Jacke zwingen oder irgendwie versuchen, das Kind trotz wütend strampelnder Beine und Arme zu wickeln. Aber ich wollte auch nicht, dass der Po meiner Tochter schon wieder wund wird! Oder, dass wir zu spät kommen. Oder, dass sie Auto fährt, ohne angeschnallt zu sein .. ich versuchte es mit Ankündigungen, damit sie sich drauf einstellen kann, mit ablenkenden Liedern, Geschichten ... aber meist brachte das gar nichts. Und dann wurde aus der Hilflosigkeit Wut: Es kann doch nicht sein, dass diese kleiner Mensch, für den ich ohnehin so viel mache, mich dermaßen tyrannisiert! Das muss ich mir nicht bieten lassen!
Sie festhalten und zu dem, was gerade anlag, zwingen zu müssen, fühlte sich an wie Gewalt - tatsächlich schrie sie oft "Aua!" und es ist ja auch wirklich schmerzhaft, gegen den eigenen Willen festgehalten zu werden. Und dass sie mich in diese Situation brachte, führte dann sehr oft dazu, dass bei mir eine Sicherung durchbrannte und ich sie zornig und fluchend anschrie. Mein Sohn war dann auch oft ganz erschrocken und versuchte, seine Schwester zu überzeugen: "Benimm' dich doch! Dann muss Mama auch nicht so böse sein!" Das machte mich traurig, denn ich möchte nicht, dass meine Kinder mich als "böse" wahrnehmen.
Sicher gibt es Situationen, in denen es nicht ohne Schreien geht. Zum Beispiel, wenn Kinder in Gefahr sind und man schnell ihre Aufmerksamkeit erregen muss. Und manchmal, wenn Kinder sich absolut daneben benehmen, kann es auch authentisch sein, zu schreien. Doch das sollte die Ausnahme und nicht die Regel sein.
Studien weisen darauf hin, dass das häufige Anschreien von Kindern diesen schadet und sogar vergleichbare Auswirkungen haben kann wie körperliche Gewalt (geringerer Selbstwert, depressive Stimmungen, verstärkte Aggressivität, etc.) (http://www.todaysparent.com/family/parenting/yelling-at-kids/). Das zu lesen, machte mir deutlich: Ich will nicht mehr ständig schreien! Auch wenn meine Wut völlig nachvollziehbar ist - ich will lernen, anders damit umzugehen!
Glücklicherweise stieß ich auf Sheila McCraiths Buch "Yess less, love more". Nächste Woche erscheint es auch auf dem deutschen Markt unter dem Titel "Erziehen ohne auszurasten". Es handelt sich um ein alltagstaugliches 30-Tage-Programm, in denen Eltern alltagspraktische Tipps und Strategien kennen lernen, besser mit Wut umzugehen. Das sind körperliche, teils auch etwas verrückte Alternativen wie in die Hände klatschen um "Energie umzulenken" oder in Schränke oder Toiletten zu brüllen (hab ich noch nicht versucht, aber soll hilfreich sein ;)) statt in das Gesicht des Kindes, aber auch kleine Denkübungen, die helfen, das eigene Verhalten umzulenken. Und tatsächlich gelingt es mir seitdem viel öfter, meine Kinder nicht anzuschreien. Ich kann das Buch wärmstens empfehlen!

Montag, 21. November 2016

Kleinkinder und Eltern - zwei Welten prallen auf einander

Unsere Tochter ist schon länger in der Trotzphase, aber momentan ist es mal wieder besonders heftig. Alles wird zum Kampf - vom Anziehen bis zum Zähneputzen.
Mir hilft der Gedanke daran, dass ihr Gehirn noch in der Entwicklung ist und besonders die obere Gehirnhälfte, die für Vernunft zuständig ist, noch recht schwach und störanfällig ist, während das untere Gehirn, das von Gefühlen gesteuert wird, noch viel stärker ist.
Spannend finde ich aber auch, wie anders Kleinkinder ticken. Wo wir Erwachsenen immer hektisch sind, haben sie alle Zeit der Welt. Wo wir einen Stau sehen, staunen sie begeistert über die vielen Autos. Wo wir zwischen Arbeit und spiel unterscheiden und Arbeit natürlich immer wichtiger ist, ist für Kleinkinder die ganze Welt ein Spiel.
Und vermutlich erscheint unseren kleinen Wutknilchen das Verhalten von uns "vernünftigen" Erwachsenen manchmal auch ziemlich unsinnig ...
L.R. Knost verdeutlich hat das auf sehr amüsante Weise in einem fiktiven Dialog zwischen zwei Kleinkindern. Leider liegt das Buch nur auf Englisch vor, aber weil er mich so begeistert hat und auch in meinem neuen Buch eine Rolle spielen soll, habe ich ihn mal übersetzt:



Kleinkind 1: Du siehst ein bisschen aufgebracht aus, Kumpel. Hattest du einen harten Tag?

Kleinkind 2: Hart ist viel zu harmlos! Ich liebe meine Mami wahnsinnig doll, aber ehrlich, Sie hat KEINE Ahnung, wie man teilt. Ich habe eine Kleinigkeit aus ihrem Portmonnaie genommen und sie ist ausgerastet! Nahm es mir weg und rief: „Mein“ und das alles. Und das auch noch mitten im Geschäft! So was von peinlich. Jeder starrte mich an und rollte mit den Augen. Ich habe mich echt wie ein totaler Vollidiot gefühlt.

Kleinkind 2: Ich weiß, was du meinst! Ich habe genau das gleiche Problem. Und meine Mama mischt sich auch in ALLES ein! Zum Beispiel habe ich ein Knäckebrot unter dem Sofa versteckt, damit ich für später noch einen kleinen Snack habe, und sie schmeißt es einfach in den Mülleimer! Wer macht denn bitteschön so etwas?

Kleinkind 2: Das findest du schon schlimm? Dann hör mir mal zu. Ich kümmere mich um mich selbst, hänge einfach ein bisschen mit meinen Spielsachen ab und sie zieht mich einfach hoch, trägt mich weg und setzt mich in den Hochstuhl, ohne jede Vorwarnung. Und ich habe nicht mal Hunger! Dann regt sie sich tierisch auf, nur, weil ich ein paar Versuche mit dem Essen mache. Übrigens, es ist doch echt spannend dass es manchmal direkt runterfällt und manchmal gegen die Wand klatscht. Ich vermute, es hat etwas mit der Konsistenz des Essens und mit der Flugbahn, in der ich es werfe, zu tun. Also, das ist bisher meine Arbeitshypothese.

Kleinkind 1: Cool! Lass es mich wissen, wenn du mehr darüber herausfindest! Aber hör mal zu. Ich schaffe überhaupt nichts! Kein Scherz, ehrlich! Ich habe den ganzen Morgen lang dafür gebraucht, um diesen hervorragenden Turm zu bauen. Kumpel, den hättest du sehen müssen! Er war sagenhaft! Jedenfalls, ich laufe für eine Sekunde oder so weg und sie kippt das ganze Ding in die Spielzeugkiste! Die Arbeit eines ganzen Vormittags – weg. Ich weiß nicht, warum ich mir überhaupt solche Mühe gebe.

Kleinkind: Sehe ich ganz genauso! Und was soll dieses neue „Time-Out“-Zeug, was meine Mama plötzlich total toll findet? Ich rege mich ein ganz klein bisschen auf über irgend etwas und genau dann, wenn ich ein bisschen Kuscheln und Zuwendung brauche, setzt sie mich in diesen Stuhl und nimmt mich nicht mehr heraus. Als könnte dieser Stuhl mich in den Arm nehmen? Ganz ehrlich?

Kleinkind 1: Das ist sowas von falsch. Hey, was ist eigentlich mit dieser ganzen Töpfchen-Training-Angelegenheit? Sie will, dass ich mein Geschäft in eine Plastikschüssel mache. Aus diesen Dingern essen wir! Echt, man muss sich manchmal wirklich fragen, was in deren Köpfen vor sich geht.“

Kleinkind 2: Sei froh. Meine setzt mich immer wieder auf diese große weiße Vorrichtung, wo Wasser drin ist. Ich meine, ich könnte ertrinken! Und du solltest mal sehen, was passiert, wenn sie diesen Knopf oben drückt. Ich sag' nur: „Strudel des Todes“!

Kleinkind 1: Nicht cool, Kumpel, überhaupt nicht cool! Hast du auch schon mit Wutanfällen zu tun? Meine Mama hat eine Laune, das kannst du dir nicht vorstellen! Sobald sie mal ihren Willen nicht bekommt, bring' dich in Sicherheit! Sie kreischt herum und fuchtelt mit ihren Armen und stampft herum und, ich sage es echt ungern, aber sie hat angefangen, zu schlagen. Als wenn das irgendetwas besser machen würde. Ich habe keine Ahnung, wie ich mit diesen Aggressionsproblemen umgehen soll! Warum können die Erwachsenen nicht einfach so vernünftig sein wie wir?

Kleinkind 2: Ich vermute, es ist ein Kommunikationsproblem. Ich meine, sie fangen gerade ein ganz bisschen an, uns zu verstehen, wenn wir mit ihnen sprechen, deshalb versuche ich, etwas nachsichtig zu sein, wenn sie frustriert ist. Ich bleibe einfach nahe bei ihr, vielleicht klopfe ich ein wenig ihren Arm oder biete ihr ein Spielzeug an. Manchmal beruhigt sie sich dann ein bisschen und lächelt wieder, aber manchmal braucht sie auch noch etwas Zeit. Ich bleibe trotzdem präsent, damit sie weiß, dass ich immer für sie da bin.

Kleinkind 1: Ich fürchte, das vermasselst du, Kumpel. Du musst weggehen, geh' einfach weg und lass sie machen. Wenn du sie tröstet, wird sie erwarten, dass du ihr hilfst, ihre Emotionen zu regulieren und sie wird immer abhängiger von dir, glaube mir! Wenn sie ausflippt, musst du sie dazu zwingen, sie selbst zu kontrollieren.! Wenn sie bereit ist, vernünftig zuzuhören, dann könnt ihr wieder Freunde sein.

Kleinkind 2: Ich weiß nicht. Meine will einfach nicht zuhören. Ich kann dir nicht sagen, wie oft ich sie gebeten habe, mit mir zu spielen bis sie endlich mal von ihrem eigenen Spielzeug aufschaut. Wie ist das überhaupt mit Eltern und Medien? Und dann sagt sie nur: „Einen Moment noch, Schatz.“ Was genau ist eigentlich ein Moment?

Kleinkind 1: „Einen Moment noch!“, bedeutet: „Das hier ist wichtiger als du!“, Kumpel. Komm, sieh' es ein. Du musst dafür sorgen, dass sie dir Aufmerksamkeit schenkt! Schrei los. Wirf etwas weg. Beiß die Katze. Was auch immer nötig ist! Lass sie nicht damit durchkommen, dich so respektlos zu behandeln – sonst wird sie dich nie beachten!

Kleinkind 2: Einverstanden. Übrigens, wie gehst du mit Schlafproblemen um? Ich schaffe einfach nicht noch eine schlaflose Nacht! Sie hält mich stundenlang wach – jede, aber auch wirklich jede Nacht. Es fängt super an, Badezeit, Buch lesen und Kuscheln, aber dann haut sie einfach ab, als wäre ich irgendeine Art Spielzeug, dass man ausschalten kann, wenn es dunkel ist. Und Mann, es ist echt dunkel! Ich weiß nicht, was genau da in meinem Schrank wohnt, aber es ist gigantisch!

Kleinkind 1: Schlaftraining, Kumpel. Das ist die einzige Lösung. Wenn sie das Licht ausmachen und die Tür schließen, folgst du ihnen. Aber wirklich jedes Mal. Oder, wenn du zu viel Angst hast (kann ich voll verstehen), fang' einfach an zu schreien und hör' nicht mehr auf. Wenn du nicht schlafen kannst, sorge dafür, dass sie es auch nicht können! Und gib' nicht auf. Nicht ein einziges Mal. Wenn du sie einmal damit durchkommen lässt, bekommst du nie wieder Schlaf! Sie müssen lernen, dass es ihre Pflicht ist, sich tagsüber und nachts um dich zu kümmern – auch, wenn du nur eine umarmung braucht!

Kleinkind 2: Verstanden. Okay, da kommt sie. Ehrlich, hast du dieses Problem auch? Wir sind im Park. Alle haben Spaß. Und dann steht sie einfach ab und entscheidet, zu gehen. Ich glaube, sie hat irgendwelche sozialen Probleme. Ich denke darüber nach, sie testen zu lassen.

Kleinkind 1: Bei mir ist es genauso! Sie müssen lernen, dass es nicht immer nur um sie geht und es ist unsere Aufgabe, ihnen das beizubringen. Schau, da kommt meine auch schon. Sieh zu und lerne, Kumpel. Ich nutze heute die gekrümmte, wild um sich schlagende, wehklagende Variante. Tief einatmen und dann: „Nein! Nein! Neeeeiiin ...“

(Knost: The Gentle Parent, S. 22 f. Eigene Übersetzung)

Donnerstag, 27. Oktober 2016

Halloween - Gruselspaß oder bedenklich?

Feiern eure Kinder Halloween? Ich persönlich finde die Entwicklung, dass immer mehr Kinder Halloween "entdecken" ziemlich fragwürdig. Warum? Schaut mal hier:  http://style-pray-love.com/family-life/soulfood/warum-meine-kinder-kein-halloween-feiern
Kinderopfer, Verkleidungen, die Verbrechen als "lustig" verharmlosen und Belästigen von Nachbarn  ... ich teile die Ansichten des Artikels - wobei ich bei älteren Kinder wohl eher keine strikten Verbote aussprechen würde, aber schon erklären, warum ich Halloween nicht gut finde.
Statt die Nachbarn an der Tür zu nerven und Kindern mit "Trick or Treat" Erpressung beizubringen, kann man doch Alternativen wie eine Herbstparty anbieten - z.B. mit Kürbis schnitzen, Basteln mit Kastanien und Eicheln, einer kindgerechte Geschichte oder einem Playmobil-Spiel über den Reformationstag (das ist das eigentliche Fest an dem Tag) mit anschließenden Rätseln und Schatzsuche und lustigen Spielen .... und das Süßigkeiten einsammeln dann, wenn es denn unbedingt sein muss, mit Laternen und Liedern machen! Wie seht ihr das? Diskutiert gerne mit in meiner "Kindergarten-Gruppe" auf www.elternleben.de

Dienstag, 25. Oktober 2016

Geheimtipp: Neues Elternportal "ElternLeben"

Liebe Eltern, noch ganz frisch und neu ist das Portal "ElternLeben", das ich euch hiermit gern wärmstens empfehlen möchte. Im Gegensatz zu vielen anderen Onlineportalen für Eltern steht kein großes Unternehmen mit Werbeinteressen dahinter, sondern das Projekt "wellcome", welches junge Familien durch geschulte Ehrenamtliche im Alltag entlastet.
"ElternLeben" richtet sich an Eltern von Säuglingen bis zum Schulkind-Alter  - und dabei ganz bewusst auch an Väter! Es bietet neben informativen und angenehm zu lesenden Artikel eine Community mit ExpertInnengruppen zu Themen wie "Familienleben", "Leben mit Baby", "Schwangerschaft & Geburt", "Mutterrolle&Partnerschaft", "Vaterrolle & Beruf". Dort finden wir Eltern sowohl die Möglichkeit zum Austausch als auch dazu, kompetenten ExpertInnen Fragen zu stellen.
Schaut doch mal vorbei: www.elternleben.de